Hömma, wat is dat denn? Wer zum ersten Mal an einer Bude in Bochum oder Gelsenkirchen steht, hört schnell Ruhrpott Wörter, die in keinem Schulbuch vorkommen. Klümpkes, Knifte, Mottek oder Pütt klingen rau, sind aber meistens herzlich gemeint. Hier findest du über 70 Wörter mit Übersetzung, die typischen Merkmale der Ruhrpott-Sprache und Sprüche, die du sofort verwenden kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Ruhrdeutsch gilt in der Sprachwissenschaft überwiegend als Regiolekt, also als regional gefärbte Alltagssprache, nicht als Dialekt im engeren Sinn.
- Entstanden ist es im 19. Jahrhundert zwischen Duisburg und Hamm, als die alten Mundarten vom Hochdeutschen abgelöst wurden.
- Die Grammatik („Gib mich mal die Hand“) geht laut Sprachforschern aus Bochum und Duisburg-Essen auf das Niederdeutsche zurück, nicht aufs Polnische.
- Typische Merkmale sind dat und wat, Kurzformen wie hasse und bisse, die Verlaufsform „am Malochen“ und Verkleinerungen auf -ken.
- Viele Ruhrpott Wörter stammen aus dem Bergbau (Pütt, Kaue, Schicht im Schacht), einige aus dem Jiddischen (Maloche) oder Polnischen (Mottek).
- „Woanders is auch scheiße“ hat der Bochumer Autor Frank Goosen bekannt gemacht, übernommen hat er den Spruch laut Süddeutscher Zeitung von seinem Opa.
Ruhrdeutsch: Dialekt, Slang oder Regiolekt?
Im Revier spricht man einfach so, wie man spricht. Sprachwissenschaftler haben trotzdem eine klare Einordnung. Laut Planet Wissen (WDR) stufen sie die Ruhrgebietssprache nicht als Mundart oder Dialekt ein, sondern als Regiolekt. Manche sprechen sogar von einem Soziolekt, weil sie bis heute als kennzeichnend für die Arbeiterschicht des Reviers gilt.
Die Duisburger Linguistin Nantke Pecht beschreibt Ruhrdeutsch im Interview mit checkpott.ruhr als „regional markierte Form der Alltagssprache“. Ein Regiolekt bleibt nah an der Umgangssprache und mischt Einflüsse mehrerer alter Dialekte. Spannend ist ihr Hinweis, dass mitten durchs Ruhrgebiet eine alte Dialektgrenze läuft. Duisburg, Oberhausen und Mülheim gehören ursprünglich zum Niederrheinischen, Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Dortmund zur westfälischen Gruppe.
Das hörst du bis heute. Im Osten fragt man eher „woll?“, im Westen und in der Mitte „nä?“.
Woher die Ruhrpott-Sprache kommt
Lange hielt sich das Vorurteil, Ruhrdeutsch sei verbogenes Deutsch der polnischen Zuwanderer. Die Forschung sieht das anders. Noch um 1900 sollen die Menschen an der Ruhr Plattdeutsch gesprochen haben. Als das Hochdeutsche die alten Mundarten über Jahrzehnte ablöste, entstand dabei die gesprochene Sprache, die wir heute Ruhrdeutsch nennen.
Die Linguisten Arend Mihm (Universität Duisburg-Essen) und Heinz H. Menge (Ruhr-Universität Bochum) haben gezeigt, dass die typische Verwechslung von Dativ und Akkusativ aus dem Niederdeutschen stammt. Das Plattdeutsche kannte diese Unterscheidung schlicht nicht. So berichtet es die Ruhr-Universität Bochum über ihr Korpus der gesprochenen Sprache des Ruhrgebiets. Für das Korpus hatten Feldforscher Anfang der 1980er-Jahre Gespräche mit Kleingärtnern im ganzen Revier aufgenommen, eher lockere Plaudereien als Interviews.
Der Einfluss des Polnischen ist dagegen klein. Ein paar Wörter haben es trotzdem geschafft, allen voran der Mottek für den Hammer. Aus dem Jiddischen kamen laut Deutschlandradio Maloche für Arbeit, Massel für Glück und stickum für heimlich.

Typisch Ruhrpott: So klingt Ruhrdeutsch
Ruhrdeutsch erkennst du am Klang und am Satzbau. Ein beliebtes Beispiel lautet „Wammama auf Schalke, hammama Fußball geguckt, hattata geplästert.“ Übersetzt heißt das, wir waren mal im Schalker Stadion, haben Fußball geschaut, und es hat geregnet.
- t statt s. dat, wat und et statt das, was und es. Das stammt aus dem Niederdeutschen.
- Verschmolzene Wörter. hasse (hast du), bisse (bist du), krisse (kriegst du), hömma (hör mal), samma (sag mal), aufm (auf dem).
- Dativ und Akkusativ vertauscht. „Komm ma bei die Omma bei“ oder „Gib mich mal die Hand“.
- Verlaufsform mit „am“. „Ich bin am Malochen“ (ich arbeite gerade schwer), „Et is am Reechnen“ (es regnet).
- Verkleinerung auf -ken. Mäusken statt Mäuschen, Schnäppsken für ein kleines Glas.
- Kurze und lange Vokale. Aus Oma wird Omma, aus dem r am Silbenende ein a wie in „Doatmund“. Wirklich typisch, aber kaum bewusst, sind gedehnte Vokale wie in „Gelsenkiirchen“.
- Bestätigung am Satzende. „nä?“ im Westen, „woll?“ im Osten.
Auch die Richtung ist eigen. Man geht „nachm Krankenhaus“ statt zum Krankenhaus und „bei die Omma“ statt zur Oma.
Das große Ruhrpott-Wörterbuch: über 70 Wörter mit Übersetzung
Die folgenden Ruhrpott Wörter sind nach Themen sortiert. Die Schreibweise schwankt, weil Ruhrdeutsch vor allem gesprochen wird. Wo Quellen unterschiedliche Formen nennen, stehen beide da. Viele der Wörter kennt man auch außerhalb des Reviers, typisch wird es oft erst zusammen mit Aussprache und Satzbau.
Familie und Leute
Die Angaben stammen aus dem Glossar „Pott für Anfänger“ der Brost-Akademie, aus Planet Wissen, dem Deutschlandradio-Beitrag zur Ruhrsprache und der Wikipedia-Übersicht zum Ruhrdeutschen.
| Ruhrdeutsch | Hochdeutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Omma | Oma | kurzes o, Paradebeispiel |
| Blach, Blaagen | Kind, Kinder | auch Blaach, eher für freche Kinder |
| i-Dötzken | frisch eingeschultes Kind | auch im Rheinland üblich |
| Olle, Oller | Ehefrau, Ehemann | liebevoll gemeint |
| Ische | feste Freundin | über das Jiddische aus dem Hebräischen |
| Mischpuche | Familie | aus dem Jiddischen |
| Pastek | Pastor | mit verpolnischter Endung |
| Verschreipdokter | Hausarzt | kreative Wortschöpfung |
| Schlickefänger | Filou, Schlitzohr | eher augenzwinkernd |
An der Bude: Essen, Naschen, Kleingeld
Die Angaben stammen aus dem Glossar der Brost-Akademie, aus Wiktionary (Pommes Schranke) und aus der Wikipedia-Übersicht zum Ruhrdeutschen.
| Ruhrdeutsch | Hochdeutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Bude, Büdchen | Kiosk, Trinkhalle | „Bude“ kann auch das Haus meinen, Büdchen sagt man auch in Köln |
| Knifte | Butterbrot | kommt inne Brotbüchse |
| Dubbel | zusammengeklapptes Butterbrot | auch Dubbels |
| Klümpkes | Bonbons | Klassiker an der Bude |
| Mantaplatte | Currywurst mit Pommes | laut Forschung eher Medienbild |
| Pommes Schranke | Pommes mit Ketchup und Mayo | rot-weiß wie eine Schranke |
| Eiterbrille | Puddingbrezel | vom Bäcker |
| Erpel | Kartoffel | nicht die Ente |
| Appelkitsche | Kerngehäuse vom Apfel | auch Apfelkitsche |
| labberich | fad, geschmacksarm | etwa zu dünner Kaffee |
| Heiermann | Fünf-Mark-Stück | aus D-Mark-Zeiten |
| latzen | bezahlen |
Pütt und Maloche: Wörter aus dem Bergbau
Die Angaben stammen aus dem Glossar der Brost-Akademie, dem DWDS, Wiktionary, Planet Wissen und dem Deutschlandradio-Beitrag. Mehr zur Bergmannssprache findest du im Beitrag zum Gruß Glück auf.
| Ruhrdeutsch | Hochdeutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Maloche, malochen | (harte) Arbeit, schwer arbeiten | aus dem Jiddischen |
| Kumpel | Bergmann | heute auch: guter Freund |
| Pütt | Bergwerk, Zeche | niederdeutsch für Brunnen |
| Mottek | Hammer | polnisch młotek |
| Bello | schwerer Vorschlaghammer | rund 20 Kilo |
| Steiger | Aufsichtsperson im Bergwerk | verantwortlich für einen Teil der Grube |
| Kaue | Umkleide- und Waschraum | Weißkaue und Schwarzkaue |
| Flöz | Kohleschicht im Gestein | |
| vor Ort | Arbeitsplatz unter Tage | heute allgemein „an Ort und Stelle“ |
| Rabotti | Arbeit, ran an die Arbeit | vom russischen rabota, auch Raboti |
| Schicht im Schacht | Schluss, Feierabend | Redewendung aus dem Bergbau |
Wetter, Laune und Tempo
Die Angaben stammen aus dem Glossar der Brost-Akademie, der Ruhr-Universität Bochum, dem Deutschlandradio-Beitrag, dem DWDS und der Wikipedia-Übersicht.
| Ruhrdeutsch | Hochdeutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| hömma | hör mal | der Satzanfang schlechthin |
| plästern | stark regnen | „et plästert“ |
| fisseln | in feinen Tröpfchen regnen | „et fisselt“ |
| usselich, usselig | ungemütlich; auch dreckig, ungepflegt | Quellen nennen beide Bedeutungen |
| schattich | kalt | beschönigend fürs Wetter |
| niggelig | neugierig | |
| ösig | schlecht gelaunt | |
| lurig | schlapp, müde | |
| beömmeln | albern lachen | „wir ham uns beömmelt“ |
| perzen | schnell fahren | |
| dalli, wacker | schnell | „aber dalli!“ |
| mit Schmackes | mit Schwung, mit Elan | |
| knibbeln, prockeln | erfolglos herumfummeln | aus dem Niederdeutschen |
| Köpper | Kopfsprung ins Becken | kennt jedes Freibad |
| Kusselköpper | Purzelbaum | auch Kusselkopp |
Wer den Köpper gleich ausprobieren will, findet im Sommer passende Becken in unserer Übersicht der Freibäder im Ruhrgebiet.
Zuhause, Kram und Klamotten
Die Angaben stammen aus dem Glossar der Brost-Akademie, aus Wiktionary (Pölter) und aus der Wikipedia-Übersicht.
| Ruhrdeutsch | Hochdeutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Gedöns | Kram | auch überregional bekannt |
| Tinnef | Kram, auch Unsinn | |
| Kabäusken | kleines Zimmer | mit der Endung -ken |
| Schoss | Schublade | |
| Ratzefummel | Radiergummi | |
| Hackenporsche | Einkaufstrolley | |
| Gewitterflinte | Regenschirm | |
| Pullefass | Zinkbadewanne | |
| Buckse | Hose | auch Buggse, Buxe |
| Pölter | Schlafanzug | alter Ausdruck, auch in Ostwestfalen |
| Döppen | Augen | „mach die Döppen auf“ |
| Lappen | Führerschein | |
| Nuckelpinne | Auto mit schwachem Motor | |
| Riechbesen | Blumenstrauß |
Quatsch, Lob und Lehnwörter
Die Angaben stammen aus dem Glossar der Brost-Akademie, dem Deutschlandradio-Beitrag und der Wikipedia-Übersicht zum Ruhrdeutschen.
| Ruhrdeutsch | Hochdeutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Killefitt, Fisimatenten | Unsinn, Quatsch | „mach keine Fisimatenten“ |
| Döneken, Dönekes | kleine, oft unwahre Geschichte | |
| Kappes | Mist, schlechte Idee | aus dem Kölschen, ursprünglich Kohl |
| töfte | prima | aus dem Berliner „dufte“ |
| pickobello | tipptopp | italienisch angehaucht |
| mit Karacho | mit hoher Geschwindigkeit | aus dem Spanischen |
| Monte Schlacko | Schutthalde | scherzhaft für die Halde |
| Massel | Glück | aus dem Jiddischen |
| stickum | heimlich | aus dem Jiddischen |
| gezz | jetzt | auch geez geschrieben |
| Tach | Tag | „geedn Tach“ heißt jeden Tag |
Beim Kappes merkst du, wie nah sich die Regionen sind. Viele Ausdrücke wandern zwischen Rhein und Ruhr hin und her. Wie die Kölner ihre Wörter pflegen, liest du in unserer Sammlung kölscher Wörter.
Ruhrpott-Sprüche: Redensarten und Sätze für jeden Tag
Einer der bekanntesten Ruhrpott-Sprüche lautet „Woanders is auch scheiße“. Bekannt gemacht hat ihn der Bochumer Autor Frank Goosen. Schon in seinem Buch „Radio Heimat“ (2010) schreibt er, so habe es sein „Oppa“ auszudrücken gepflegt, und laut Süddeutscher Zeitung hat Goosen den Spruch von seinem Großvater übernommen. Inzwischen steht er auf Tassen, Magneten und T-Shirts. Goosen selbst übersetzt ihn sinngemäß mit „Hier ist es nicht schön, aber woanders ist auch nicht besser“, eine trockene Liebeserklärung an die Heimat.
Überlieferte Redensarten und typische Sätze
Hochdeutsch: Etwas ist zu Ende, Feierabend. Die Redewendung stammt aus dem Bergbau.
Hochdeutsch: Damit stimmt etwas nicht. Futtsack ist der Futtersack aus der Zeit der Grubenpferde.
Hochdeutsch: ein Angeber, jemand, der sich für etwas Besseres hält
Hochdeutsch: Wir waren mal auf Schalke, haben Fußball geguckt, und da hat es geregnet.
Hochdeutsch: Hör mal, was soll das?
Hochdeutsch: Gib mir mal die Hand.
Hochdeutsch: Komm mal zur Oma.
Hochdeutsch: Ich arbeite gerade (schwer).
Hochdeutsch: Es regnet.
Hochdeutsch: Ich bin zum Krankenhaus gefahren.
Hochdeutsch: Das ist so wohl noch nicht fertig, da musst du nachbessern.
Hochdeutsch: Wer war das? – Der da!
Hochdeutsch: Das war schön. Gesagt direkt beim Abschied nach einem gemeinsamen Ausflug.
Sprüche im Ruhrpott-Ton für Karten und WhatsApp
Diese Sprüche hat unsere Redaktion selbst formuliert. Du darfst sie frei für Karten, Glückwünsche oder den Familienchat verwenden.
Hochdeutsch: Hör mal, du bist Gold wert. Das sage ich dir jetzt einfach mal.
Hochdeutsch: Alles Gute zum Geburtstag! Bleib, wie du bist.
Hochdeutsch: Feierabend. Jetzt ist Wochenende, Füße hoch!
Hochdeutsch: Was ich gerade mache? Ich ruhe mich aus.
Hochdeutsch: Komm mal zu mir, der Kaffee ist fertig.
Hochdeutsch: Mit Schwung in die neue Woche!
Hochdeutsch: Für dich gehe ich auch bei strömendem Regen zum Kiosk.
Hochdeutsch: Glückwunsch zum Führerschein! Aber jetzt nicht rasen, okay?
Hochdeutsch: Kopf hoch, das wird schon wieder.
Hochdeutsch: Danke, dass du immer da bist, wenn es ungemütlich wird.
Hochdeutsch: Bei uns gibt es keine Märchen, nur ehrliche Worte.
Hochdeutsch: Jetzt aber schnell, Oma wartet schon.
Ruhrdeutsch auf Bühne, Papier und Bildschirm
Lange galt Ruhrdeutsch als soziales Stigma, das man sich für die Karriere besser abgewöhnte. Heute sind viele stolz darauf, und Zeitungen, Kabarett und Comics haben die Sprache weit über das Revier hinaus bekannt gemacht. Schon im Dezember 1954 erschien in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) erstmals „Kumpel Anton“, eine Kunstfigur, die das Revierdeutsch aufs Papier brachte.
Im Fernsehen machte Jürgen von Manger als Adolf Tegtmeier die Sprache bundesweit bekannt, obwohl er selbst aus Koblenz stammte. Später folgten Bühnenfiguren wie Herbert Knebel, gespielt von Uwe Lyko. Seit 1998 gibt es sogar Asterix auf Ruhrdeutsch, der erste Band hieß „Zoff im Pott“. Und das von Herbert Grönemeyer gesungene Lied „Currywurst“ von 1982 gilt als musikalisches Denkmal für die Malochersprache.
Forscher der Ruhr-Universität Bochum sprechen beim Ruhrdeutsch aus Film und Comedy vom Mediolekt. Dort stecken die Merkmale fast in jedem Satz, und dieses Bild wirkt auf die echte Alltagssprache zurück.
Häufige Fehler beim Ruhrdeutsch-Nachmachen
Wer im Pott mitreden will, tappt schnell in die Klischeefalle. Deutschlandradio nennt Ruhrdeutsch eine Nähesprache. Nach einer Umfrage Duisburger Studierender gehört sie an den Stammtisch, in die Familie und unter Arbeitskollegen, nicht aber in Schule und Öffentlichkeit. Diese Punkte gehen oft daneben.
- Zu dick auftragen. Jeder Satz mit „hömma“ und „wat“ klingt nach Comedy, nicht nach Revier.
- Die Mantaplatte für typisch halten. Laut Ruhr-Universität sind solche augenzwinkernden Zusammensetzungen gar nicht spezifisch ruhrdeutsch, sie kommen in allen Regionen vor.
- Dat und wat für exklusiv halten. Auch die t-Endung und Formen wie „hasse“ gibt es anderswo. Wirklich typisch sind eher die gezogenen Vokale.
- Ruhrdeutsch für „falsches Deutsch“ halten. Die Grammatik folgt alten niederdeutschen Mustern. Das ist Sprachgeschichte, kein Fehler.
- Den Polnisch-Mythos weitererzählen. Ein paar Lehnwörter wie Mottek gibt es, mehr nicht.
Fazit
Ruhrpott Wörter sind mehr als ein Gag für Postkarten. Hinter Pütt, Kaue und Schicht im Schacht steckt Bergbaugeschichte, hinter „Gib mich mal die Hand“ das alte Plattdeutsch. Wenn du die Sprache ausprobieren willst, fang klein an, mit einem „hömma“ hier und einer Tüte Klümpkes an der Bude.
Wo du das Revier dazu erleben kannst, zeigt unser Überblick über Ausflugsziele im Ruhrgebiet.
Häufige Fragen
Ist Ruhrdeutsch ein Dialekt?
Nicht im engeren Sinn. Die meisten Sprachwissenschaftler ordnen Ruhrdeutsch als Regiolekt ein, also als regional gefärbte Umgangssprache. Sie ist im 19. Jahrhundert entstanden, als die alten niederdeutschen und niederfränkischen Mundarten vom Hochdeutschen abgelöst wurden.
Was bedeutet Malocher?
Ein Malocher ist jemand, der hart und meist körperlich arbeitet. Das Wort kommt von Maloche, das aus dem Jiddischen stammt und Arbeit bedeutet.
Was ist ein Büdchen?
Büdchen oder Bude heißt im Ruhrgebiet der Kiosk, auch Trinkhalle genannt. „Bude“ kann je nach Zusammenhang aber auch das eigene Haus meinen.
Woher kommt „Woanders is auch scheiße“?
Bekannt gemacht hat ihn der Bochumer Autor Frank Goosen, der ihn nach Angaben der Süddeutschen Zeitung von seinem Großvater übernommen hat. Der Spruch beschreibt eine nüchterne Heimatliebe, ganz nach dem Motto, schön ist es hier nicht unbedingt, aber anderswo auch nicht besser.
Was heißt „Schicht im Schacht“?
Die Redewendung bedeutet, dass etwas zu Ende ist. Sie stammt aus dem Bergbau, wo am Schichtende auch der letzte Bergmann mit dem Förderkorb nach oben gefahren war.
Quellen & Belege
- Planet Wissen (WDR): Geschichte der Dialekte – Ruhrdeutsch – belegt: Einordnung als Regiolekt bzw. Soziolekt, Entstehung im 19. Jahrhundert zwischen Duisburg und Hamm, dat/wat, -ken, Omma, nä/woll, „Komm ma bei die Omma bei“, „nachm Krankenhaus gefaan“, hasse/bisse/krisse, Schalke-Satz, Mottek, Mischpuche, Raboti, Pastek, Herbert Knebel, „Zoff im Pott“ 1998, „Currywurst“ 1982, Büdchen als „Fundgrube für echtes Ruhrdeutsch“
- Brost-Akademie / checkpott.ruhr: Interview mit Dr. Nantke Pecht (Universität Duisburg-Essen) – belegt: Ruhrdeutsch als regional markierte Alltagssprache, Dialektgrenze Niederrheinisch/Westfälisch mit Städtezuordnung
- Brost-Akademie / checkpott.ruhr: Glossar „Pott für Anfänger“ (Seiten 1–11) – belegt: Bedeutungen von Bude, Knifte, Klümpkes, Mantaplatte, Eiterbrille, Erpel, Apfelkitsche, Heiermann, latzen, Maloche, Mottek, Bello (rund 20 Kilo), Steiger, Kaue (Weißkaue, Schwarzkaue), Flöz, Vor Ort, Hömma, plästern, usselich, beömmeln, perzen, dalli, wacker, Gedöns, Tinnef, Kabäusken, Schoss, Ratzefummel, Hackenporsche, Gewitterflinte, Buckse, Döppen, Lappen, Nuckelpinne, Riechbesen, Killefitt, Fisimatenten, Döneken, geez, Blach, Olle, Ische
- Ruhr-Universität Bochum: Ruhrdeutsch – „Wat hasse gesacht?“ (2012, Archivversion) – belegt: Kasusvertauschung aus dem Niederdeutschen (Mihm, Menge), sehr geringer Einfluss des Polnischen, „Gib mich mal die Hand“, am-Progressiv, niggelig, usselig, ösig, Kleingärtner-Aufnahmen
- idw / Ruhr-Universität Bochum: Wie die Medien den Ruhrdialekt beeinflussen (2017) – belegt: Mediolekt, Mantateller nicht typisch ruhrdeutsch, dat/wat und hasse nicht isoliert typisch, gedehnte Vokale („Gelsenkiirchen“)
- Deutschlandradio Kultur: Die Kleine Sprachgeschichte. Ruhrdeutsch (Manuskript, 2011) – belegt: niederdeutsches Substrat, Ablösung der plattdeutschen Dialekte um 1900, Maloche/Massel/stickum aus dem Jiddischen, Pütt, knibbeln/prockeln, Verschreipdokter, Graf Koks vonne Gasanstalt, Kumpel Anton ab Dezember 1954 in der WAZ, von Manger aus Koblenz, Nähesprache, Stigma
- Wikipedia: Ruhrdeutsch (ergänzend) – belegt: Regiolekt-Einordnung, samma/hömma, woll im Osten, Futtsack, „Ich bin am Malochen“, „Et is am Reechnen“, „Da musse aba nomma beigehn“, „Wer waa dat? – Ette!“, „war schön gewesen“, „Komma bei mich bei!“, „nä“ im westlichen und mittleren, „woll“ im östlichen Ruhrgebiet, Wörter wie Blaach/Blaagen, Olle/Oller, i-Dötzken, Dubbels, labberich, schattich, lurig, Schmackes, Kusselköpper, Köpper, Pullefass, Kappes (aus dem Kölschen), töfte (aus dufte), pickobello, Karacho (Spanisch), Monte Schlacko, Schlickefänger, Rabotti (Russisch), Mottek (młotek), Ische (hebräisch ischa), „geedn Tach“
- Wiktionary: Schicht im Schacht – belegt: Bedeutung „etwas ist zu Ende“, Herkunft aus dem Bergbau
- Wiktionary: Pommes Schranke – belegt: Pommes mit Ketchup und Mayonnaise, Begriff aus dem Ruhrgebiet
- Wiktionary: Pölter – belegt: Schlafanzug, alter Ausdruck aus Ruhrgebiet, Ostwestfalen und Siegerland
- DWDS: Kumpel – belegt: Kumpel als Synonym zu Bergmann
- DWDS: Pütt – belegt: Pütt als Synonym zu Bergwerk
- DWDS: Trinkhalle – belegt: Bude als ruhrdeutsches Wort für Kiosk/Trinkhalle, Büdchen als kölsche Bezeichnung
- DWDS: Malocher – belegt: jemand, der hart (körperlich) arbeitet
- DWDS: fisseln – belegt: dünn, fein regnen
- Süddeutsche Zeitung (2024) – belegt: „Woanders is auch scheiße“ geprägt von Frank Goosen aus Bochum, von seinem Großvater („Oppa“) übernommen, auf Magneten, Tassen und T-Shirts
- Wikiquote: Frank Goosen (ergänzend) – belegt: Zitat aus „Radio Heimat“ (Eichborn, 2010, S. 13): „Oder wie es mein Oppa auszudrücken pflegte: „Ach, woanders is auch scheiße!““
- trailer Ruhr: Interview mit Frank Goosen (2010) – belegt: Goosens Erklärung „Hier ist es nicht schön, aber woanders ist auch nicht besser“
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne eigene Quelle sind redaktionelle Erfahrungswerte.
Bildnachweis Beitragsbild: Foto Andrej Gelenberg / Pexels
